DIENSTAG, 1.20 UHR

Manfred Weidrich hatte im Laufe des Tages und des Abends zwei Flaschen Wodka und mehrere Flaschen Bier getrunken und saß in seinem Sessel schlafend vor dem laufenden Fernseher, als es klingelte. Immer und immer wieder wurde der Finger auf den Klingelknopf gehalten, bis er allmählich erwachte, sich aus dem Sessel hievte, zur Tür schlurfte und sie verschlafen öffnete. »Herr Weidrich? Manfred Weidrich?« »Ja, verdammt noch mal«, knurrte er und sah die vor ihm stehenden Männer aus kleinen Augen an. »Wer will das mitten in der Nacht wissen?«

»Unwichtig. Wir haben ein paar Fragen an Sie, gehen Sie rein, wir unterhalten uns ungern draußen. Nur ein paar Fragen, dann sind Sie uns schon wieder los und dürfen weiterschlafen.«

»Hä?«, sagte er mit einem Mal hellwach und musterte die beiden Männer mit zusammengekniffenen Augen. »Seid ihr Bullen oder was?«

»Rein, aber 'n bisschen dalli«, sagte der eine, ein Hüne von eins neunzig, und schubste Weidrich in den Flur, während der andere die Haustür schloss. »Habt ihr 'n Rad ab? Heut Nachmittag waren doch schon ein paar von eurer Sorte hier. Denen habe ich alles gesagt.«

»Mag schon sein«, sagte einer der Männer. »Da trifft es sich ja gut, dass wir gar keine Fragen haben, sondern nur die Antwort. Hier ist sie.« Er zog eine Pistole aus seiner Jackentasche und drückte dreimal kurz hintereinander ab. Weidrich sackte in sich zusammen, sein Körper zuckte ein paarmal, und schließlich wich alles Leben aus ihm.

Der zweite Mann drückte ihm eine Pistole in die Hand, feuerte sie mehrfach ab, dass Kugeln in die Wand und die Decke schlugen, und legte die Pistole danach neben Weidrich. Anschließend ging er zum Laptop, tippte ein paar Zeilen und druckte sie aus. Er zeigte das Geschriebene seinem Partner, der grinste.

»Das war's schon. Jetzt rufen wir unsere lieben Kollegen.«

Er wählte die Nummer des Kriminaldauerdienstes, schilderte einen erfundenen Tathergang und forderte ein paar Beamte der Spurensicherung, einen Arzt und einen Leichenwagen an.

Kaum eine halbe Stunde später war Weidrichs Wohnung voll von Beamten.

»Wie ist das passiert?«, fragte König vom KDD. »Wir haben einen anonymen Anruf erhalten, der so konkrete Angaben über den Mord an Bruhns und seiner Geliebten enthielt, dass wir sofort hergefahren sind. Wir wollten uns in aller Ruhe mit Weidrich unterhalten, aber er zog mit einem Mal eine Pistole, die da unten«, er deutete auf die 9-Millimeter-Beretta. »Wir mussten schießen, sonst lägen wir jetzt dort unten. Er hat ein Bekennerschreiben hinterlassen, in dem er zugibt, Bruhns und die Steinbauer ermordet zu haben, die Gründe dafür hat er auch aufgeführt. Wir haben es auf seinem Laptop entdeckt.«

»Damit ist der Fall wohl geklärt«, sagte König und las das Schreiben. »Tja, das Motiv ist eindeutig - Rache. Na ja, etwas anderes kam für mich von Anfang an nicht in Frage. Und gesoffen hat er wie ein Loch«, fügte er hinzu, als er die Flaschenbatterie betrachtete. »Aber das alles könnt ihr später bei der Dienstbesprechung berichten.« »Wir ziehen dann mal ab, damit wir noch 'ne Mütze Schlaf kriegen.«

»Macht euch vom Acker, wir übernehmen. Gute Arbeit, Jungs. Tschüs.«

Die beiden Männer verabschiedeten sich, gingen zu ihrem Auto und fuhren davon. Der Fall Bruhns und Steinbauer war gelöst. Es gab zahlreiche Beweise, dass Weidrich der Täter gewesen war. Niemand würde es wagen, Zweifel anzubringen, denn ab sofort würde die Staatsanwaltschaft übernehmen.

 

Eisige Naehe
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